Zirkadianer Rhythmus und die Wirkung von AkupunkturDer zirkadiane Rhythmus ist unser innerer Tag-Nacht-Rhythmus, oft auch als Schlaf-Wach-Rhythmus bekannt. Er steuert, wann wir müde oder wach sind, und sorgt dafür, daß unser Körper im Einklang mit dem Tageslicht funktioniert. Dieser Rhythmus wird durch ein Zusammenspiel von zwei Teilen des Nervensystems geregelt: dem Sympathikus (macht uns aktiv) und dem Parasympathikus (hilft uns, zu entspannen).Wenn dieser Rhythmus gestört ist, können Probleme wie Schlafstörungen, Blutzuckerprobleme, Entzündungen oder sogar Krebs häufiger auftreten. Die folgenden Studien zeigen, wie Akupunktur und Moxibustion den zirkadianen Rhythmus bei Tieren verbessern können. Wie Akupunktur den zirkadianen Rhythmus unterstütztBlutzucker und Fortpflanzung bei Ratten:* Problem: Ratten, die 21 Wochen lang ständigem Licht ausgesetzt waren, hatten einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus. Ihr Blutzucker war zu hoch, und Testosteron- sowie Insulinspiegel waren zu niedrig, was die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigte. * Lösung: Akupunktur (in den Wochen 17-21) senkte den Blutzucker deutlich und erhöhte Testosteron und Insulin leicht. * Bedeutung: Akupunktur half, den gestörten Rhythmus zu korrigieren und die Hormonbalance zu verbessern. (Kang X et al., s. u.) Körpertemperatur und Melatonin bei depressiven Ratten: * Problem: Ratten mit Depressionen (durch Dauerstreß) verloren ihren normalen Tagesrhythmus für Körpertemperatur und Melatonin (ein Schlafhormon). * Lösung: Elektroakupunktur an den Punkten DU20 (am Kopf) und DU29 (Yintang - zwischen den Augenbrauen) stellte den normalen Rhythmus wieder her. * Bedeutung: Akupunktur brachte den Schlaf-Wach-Rhythmus wieder ins Gleichgewicht. (Yao HJ et al., s. u.) Entzündungen bei Arthritis: * Problem: Ratten mit rheumatoider Arthritis hatten einen gestörten Rhythmus des Entzündungsstoffs Interleukin6 (IL6) im Blut. * Lösung: Moxibustion an BL23 (Rücken) und ST36 (Bein) morgens zwischen 7 und 9 Uhr reduzierte IL6 und regulierte dessen Tagesrhythmus, besonders wenn die Nebennieren intakt waren. * Bedeutung: Moxibustion half, Entzündungen zu lindern und den Rhythmus der Entzündungsstoffe zu normalisieren. (Ma W et al., s. u.) Darmbewegung nach Rückenmarksverletzung: * Problem: Ratten mit Rückenmarksverletzung hatten langsamere Darmbewegungen und weniger Stuhlgang. Der Tagesrhythmus des Per2-Gens (ein Uhr-Gen, das den Rhythmus steuert) im Dickdarm blieb aber gleich. * Lösung: Elektroakupunktur an ST36 (11:00-11:30 Uhr) verbesserte die Darmbewegung und fügte dem Per2-Gen-Rhythmus einen zusätzlichen Höhepunkt hinzu. * Bedeutung: Akupunktur förderte die Darmfunktion und beeinflusste den Tagesrhythmus positiv. (Cheng J et al., s. u.) Hormonregulation bei Arthritis: * Problem: Bei Ratten mit Arthritis (durch Freunds Adjuvans) waren die Hormonspiegel (CRF, ACTH, CORT) gestört, und ihre Tagesrhythmik war verschoben. * Lösung: Moxibustion an BL23 und ST36 reduzierte die Hormonveränderungen und stellte den Tagesrhythmus der Hormone teilweise wieder her. * Bedeutung: Moxibustion verbesserte die Hormonbalance und den zirkadianen Rhythmus. (Ma WB et al., s. u.) Aktivität bei Krebs: * Problem: Mäuse mit Leberkrebs hatten weniger Aktivität und einen verspäteten Tagesrhythmus. Die Per1- und Per2-Gene (Uhr-Gene) im Gehirn (suprachiasmatischer Kern) waren überaktiv. * Lösung: Elektroakupunktur an BL18 (Rücken) und REN9 (Bauch) um 15:00 Uhr steigerte die Aktivität, reduzierte die Verzögerung und senkte die Überaktivität der Uhr-Gene. * Bedeutung: Akupunktur half, den Tagesrhythmus bei Krebs zu normalisieren. (Hou S et al., s. u.) Entzündungen und Schwellung bei Arthritis: * Problem: Ratten mit Arthritis hatten Pfotenschwellungen und erhöhte den Spiegel von TNF-alpha (ein Entzündungsstoff) mit gestörter Tagesrhythmik. * Lösung: Moxibustion an BL23 und ST36 reduzierte Schwellung und TNF-alpha und regulierte deren Tagesrhythmus. Bedeutung: Moxibustion linderte Entzündungen und stellte den Rhythmus wieder her. (Wu X et al., s. u.) Der zirkadiane Rhythmus ist wie eine innere Uhr, die unseren Schlaf, unsere Aktivität und viele Körperfunktionen steuert. Wenn er gestört ist, können Probleme wie hoher Blutzucker, Entzündungen, Hormonstörungen oder Verdauungsprobleme auftreten. Studien an Ratten und Mäusen zeigen, daß Akupunktur und Moxibustion an Punkten wie ST36, BL23, DU20, DU29 (Yintang), BL18 oder REN9 den Rhythmus verbessern können, indem sie Blutzucker, Hormone, Entzündungen oder Darmbewegungen regulieren. Das deutet darauf hin, daß diese Methoden helfen könnten, den Tag-Nacht-Rhythmus und die Gesundheit zu unterstützen. AbkürzungenIL6 (Interleukin 6)* Bedeutung: Ein Botenstoff des Immunsystems, der Entzündungen im Körper fördert. Bei Ratten mit rheumatoider Arthritis war IL6 im Blut erhöht und sein Tagesrhythmus gestört. * Relevanz: Moxibustion an den Punkten BL23 (Rücken) und ST36 (Bein) reduzierte IL6 und stellte den normalen Tagesrhythmus wieder her, was Entzündungen linderte (Ma W et al.). TNF alpha (Tumornekrosefaktor alpha) * Bedeutung: Ein Entzündungsstoff, der bei Entzündungen wie Arthritis im Blut ansteigt. Bei Ratten mit Arthritis war TNF alpha erhöht und sein Tagesrhythmus gestört. * Relevanz: Moxibustion an BL23 und ST36 senkte TNF alpha und regulierte seinen Tagesrhythmus, was Schwellungen und Entzündungen reduzierte (Wu X et al.). Per1 (Period 1) * Bedeutung: Ein Uhr-Gen im Gehirn (im suprachiasmatischen Kern), das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert. * Relevanz: Bei Mäusen mit Leberkrebs war Per1 überaktiv, was den Tagesrhythmus störte. Elektroakupunktur an BL18 (Rücken) und REN9 (Bauch) um 15:00 Uhr senkte die Per1-Aktivität und verbesserte den Rhythmus. Per2 (Period 2) * Bedeutung: Ein weiteres Uhr-Gen, das den Tag-Nacht-Rhythmus in Gehirn und Organen (z. B. Dickdarm) regelt. * Relevanz: Bei Mäusen mit Leberkrebs war Per2 überaktiv, und bei Ratten mit Rückenmarksverletzung zeigte Per2 im Dickdarm einen normalen Rhythmus. Elektroakupunktur an BL18, REN9 oder ST36 regulierte Per2, indem sie zusätzliche Höhepunkte im Rhythmus schuf oder die Überaktivität senkte. CRF (Corticotropin-Releasing-Faktor) * Bedeutung: Ein Hormon im Gehirn (Hypothalamus), das Streßreaktionen und andere Hormone wie ACTH steuert. * Relevanz: Bei Ratten mit Arthritis war CRF erhöht und sein Tagesrhythmus gestört. Moxibustion an BL23 und ST36 senkte CRF und regulierte seinen Rhythmus, was die Hormonbalance verbesserte. ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) * Bedeutung: Ein Hormon der Hypophyse, das die Nebennieren anregt, Streßhormone wie Corticosteron zu produzieren. * Relevanz: Bei Ratten mit Arthritis war ACTH erhöht und sein Tagesrhythmus gestört. Moxibustion an BL23 und ST36 senkte ACTH und stellte den Rhythmus teilweise wieder her (Ma WB et al., 2016). CORT (Corticosteron) * Bedeutung: Ein Streßhormon, das in den Nebennieren produziert wird und den Stoffwechsel beeinflusst (ähnlich Cortisol beim Menschen). * Relevanz: Bei Ratten mit Arthritis war Corticosteron reduziert und sein Tagesrhythmus gestört. Moxibustion an BL23 und ST36 verbesserte Corticosteron-Spiegel und Rhythmus. SCN (Suprachiasmatischer Kern) * Bedeutung: Ein kleiner Bereich im Hypothalamus (Gehirn), der wie eine innere Uhr den zirkadianen Rhythmus steuert, z. B. durch Regulation von Uhr-Genen wie Per1 und Per2. * Relevanz: Bei Mäusen mit Leberkrebs war die Genexpression im SCN gestört. Elektroakupunktur an BL18 und REN9 um 15:00 Uhr regulierte die Uhr-Gene und verbesserte den Tagesrhythmus.
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